Die Wunderfrage in der Lomi Therapie

Prozessbegleitung und Ressourcenarbeit in der Körperarbeit

Manchmal liegt die Lösung nicht in einem neuen Ansatz, sondern in einer anderen Frage.

In der Lomi Therapie begegnen mir immer wieder Menschen, die bereits viel Erfahrung mit Massage oder Körperarbeit haben – und dennoch spüren, dass etwas Tieferes in Bewegung kommen möchte. Nicht über Technik. Nicht über Analyse. Sondern über ein inneres Erleben, das bereits da ist.

Ein stilles, aber kraftvolles Werkzeug dafür ist die sogenannte Wunderfrage. In der Lomi Therapie wird sie nicht gedacht, sondern gespürt – als Einstieg in einen Prozess, der sich im Körper entfaltet.

Ein kurzer Blick auf Steve de Shazer

 

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Steve de Shazer – Foto: Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA, bearbeitet

Steve de Shazer, Mitbegründer der lösungsfokussierten Kurztherapie (SFBT), beschreibt in seinem Buch „Mehr als ein Wunder“ einen Ansatz, der den Fokus bewusst weg vom Problem lenkt – hin zu dem, was bereits funktioniert oder möglich ist.

Die bekannte Wunderfrage lautet sinngemäß:

„Angenommen, über Nacht geschieht ein Wunder und dein Problem ist gelöst – woran würdest du merken, dass sich etwas verändert hat?“

Diese Frage zielt nicht auf Analyse, sondern auf Wahrnehmung. Sie öffnet einen inneren Raum, in dem Veränderung bereits erfahrbar wird. Genau dieses Prinzip lässt sich sehr gut in körperorientierte Arbeit integrieren.

Die Wunderfrage im Lomi-Vorgespräch

Bevor die Massage beginnt, nehme ich mir Zeit für Atem, Erdung und einen kurzen Body Scan. Die KlientInnen kommen im Raum an, im eigenen Körper, im Moment. Aus dieser Präsenz heraus kann die Wunderfrage zu einer stillen, inneren Bewegung werden:

„Wenn heute Nacht ein Wunder geschehen würde – und sich dabei genau das lösen würde, weswegen du heute hier bist – was wäre morgen anders in deinem Körper, in deinen Bewegungen, deinem Atem, deinem Blick?“

Diese Frage wirkt nicht analytisch. Sie lädt dazu ein, nach innen zu lauschen:

  • Was wäre anders, was wäre neu?
  • Wie würde sich der Körper anfühlen?
  • Woran würden andere Menschen merken, dass sich etwas verändert hat?

Noch bevor die Massage beginnt, ist etwas in Bewegung geraten. Das Ziel ist nicht nur gedacht, sondern als körperliches Erleben bereits spürbar. Dieses Erleben wird im weiteren Verlauf der Lomi aufgegriffen und vertieft.

Varianten aus der Lomi Therapie – achtsam und körperorientiert

In der praktischen Arbeit nutze ich verschiedene Varianten der Wunderfrage. Sie sind einfach, klar und direkt auf das Spüren ausgerichtet.

1. Einladen oder Loslassen

Direkt vor der Massage:

  • „Möchtest du heute etwas einladen oder etwas loslassen?“
  • „Wo spürst du das gerade im Körper?“
  • „Wie würde es sich anfühlen, wenn das bereits geschehen wäre?“
  • Taucht ein Bild, ein Gefühl oder ein Satz auf, wird er nicht interpretiert, sondern als innere Orientierung genutzt. Mit diesem Erleben gehen wir in die Massage.

2. Ausnahmezustände entdecken

Eine klassische lösungsfokussierte Frage, körperlich vertieft:

  • „Gab es schon einmal einen Moment, in dem du dich so gefühlt hast, wie du es dir heute wünschst?“

Wenn ja:

  • „Wie hat sich das damals im Körper angefühlt?“

Diese Erinnerung – oft unscheinbar oder leise – ist bereits eine Ressource. Sie zeigt, dass der gewünschte Zustand nicht fremd ist.

3. Die Zukunft jetzt spüren

Statt Ziele zu formulieren, wird das Erleben in den Moment geholt:

  • „Stell dir vor, der nächste Schritt auf deinem Weg ist bereits gelungen. Wie würde dein Körper das jetzt zeigen?“

Viele Menschen spüren dabei sofort Veränderungen: einen ruhigeren Atem, mehr Weite im Brustraum oder ein Gefühl von Stabilität. Genau diese Empfindungen begleiten sie durch die Lomi Sitzung.

Warum diese Fragen so wirksam sind

Der entscheidende Punkt ist nicht die Frage an sich, sondern das körperliche Erleben, das sie auslöst. Die Lösung muss nicht entwickelt werden – sie wird bereits gespürt.

Sobald dieses Erleben da ist, wird es:

  • real statt theoretisch
  • zugänglich statt abstrakt
  • erinnerbar und verankert

Diese Form der Prozessarbeit setzt nicht auf Analyse, sondern auf unmittelbare Erfahrung. Das Nervensystem reagiert auf das, was erlebt wird – nicht auf Erklärungen. Die Massage vertieft diesen Zustand und unterstützt seine Integration.

Visualisation und Körpergefühl

Im Profi-Sport ist Visualisation seit Langem ein fester Bestandteil mentalen Trainings. AthletInnen stellen sich nicht nur Bewegungen vor, sondern das Körpergefühl, das mit einem gelungenen Moment verbunden ist.

Das Gehirn unterscheidet erstaunlich wenig zwischen realem und intensiv vorgestelltem Erleben. Genau diesen Effekt nutzen wir auch in der Lomi Therapie: Wenn der Körper das gewünschte Erleben bereits kennt, wird es leichter zugänglich.

Warum die Lomi Therapie dafür besonders geeignet ist

Die Lomi Therapie verbindet mehrere Ebenen zu einem stimmigen Ganzen:

  • Gespräch
  • Spürwahrnehmung und Zielbild-Arbeit
  • körperliche Verankerung
  • Massage und achtsame Berührung
  • rhythmische, fließende Abläufe mit tranceähnlicher Qualität

Prozessbegleitung bedeutet hier keine Therapie im klassischen Sinn, sondern eine achtsame Begleitung dessen, was sich im Moment zeigt. Während der Massage entstehen oft Zustände von tiefer Entspannung und wacher Präsenz, in denen innere Bilder und Körperempfindungen sich leichter integrieren können.

Fazit: Die Lösung ist bereits spürbar

Die Wunderfrage und ihre körperorientierten Varianten sind keine Technik im engeren Sinn. Sie sind Einladungen, den eigenen Körper als Quelle von Orientierung wahrzunehmen.

In der Lomi Therapie entsteht so ein Raum, in dem Worte, Spüren und Berührung zusammenwirken. Veränderung wird nicht gemacht – sie zeigt sich.
Oft leise. Oft schon da.

Aloha und Dankbarkeit für diesen Prozess – er erinnert immer wieder daran, wie viel Weisheit im Körper liegt.

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