Was unter der Anspannung liegt

Manchmal spüre ich beim Massieren eine Schulter, die sich kaum bewegen lässt. Muskeln, die sich anfühlen wie Gitarrensaiten, so gespannt sind sie. Ich beginne mit forschender Berührung, oft mit Bone Washing – ganz langsam, das Gewebe einladend statt drückend.

Nach einer Weile fängt die Schulter an zu zittern. Dann kommen Tränen, ganz ohne Vorwarnung, ohne ein einziges Wort. Aber der Körper sagt: Da ist etwas, das raus will.

Manchmal ist das Wut, Trauer oder Angst, die nie einen Platz hatte. Was auch immer es ist: Es war schon lange da, bevor es sich zeigen durfte.

Stefan Surber Portrait Foto

Stefan Surber – Gründer von KahiLomi

Aloha 🌺
ich bin Stefan Surber. Seit 2008 begleite ich Menschen in der Lomi Lomi Massage und der Ganzheitlichen Lomi-Therapie – in Freiburg und online.

 

Gefühle sind keine Charakterschwäche

In vielen Familien lernst du früh: Starke Gefühle zeigst du nicht. Wut gilt als unhöflich, Angst als Schwäche, Trauer als störend. Du schluckst sie runter.

Nicht jedes ungefühlte Gefühl liegt so weit zurück – vielleicht ist es ganz aktuell, etwas, das gerade erst passiert ist und noch keinen Platz gefunden hat.
Oder es war einfach kein Raum dafür, mitten im Job, in einer Situation, in der ein Gefühl warten musste.
Was bleibt, ist Energie ohne Ausgang.

Diese Energie verschwindet nicht immer von selbst. Oft zieht sie sich ins Gewebe zurück, in genau die Stellen, die sich beim Massieren fest anfühlen. Andere Bereiche bleiben offen und weich.

Nicht jede feste Stelle erzählt eine Geschichte. Mitunter steckt eine Fehlhaltung dahinter, oder ein Muskel, der über Wochen zu viel trägt. Aber bisweilen treffe ich genau an diesen Stellen als Lomi-Therapeut auf etwas, das mehr ist als Muskelspannung.

 

Mauna Kea Sonnenuntergang auf Big Island Hawaii

Ein Gedanke, der mir besonders wichtig ist: Wut als Lebensenergie

Bei Wut lohnt sich ein genauerer Blick. Ich verstehe sie vor allem als Aggression im ursprünglichen Sinn: als körperliches Nein. Ein Impuls, der Grenzen setzt, Kontakt sucht, sich behauptet. Ganz früh, ganz direkt: Das möchte ich nicht. Das schon.

Zum Problem wird Wut erst, wenn sie über lange Zeit keinen Raum bekommt und nie fließen darf.

Was in der Behandlung auftaucht, ist oft genau das: ein Nein, das du dir jetzt erlauben darfst.

 

KahiLomi_Lomi Lomi Massage Ausbildung_Was willst du vom Leben

Die drei Selbste: Wer trägt das Gefühl?

In der hawaiianischen Tradition sprechen wir von drei Selbsten. Sie helfen mir zu verstehen, was in solchen Momenten passiert.

Uhane ist dein waches Denken. Der Teil von dir, der plant, bewertet, sich erklärt. Uhane sagt: „Ich bin doch gar nicht wütend, traurig, ängstlich.“ Und meint das sogar ernst.

Unihipili ist dein Körper-Selbst. Kindlich, gefühlvoll, direkt. Unihipili speichert jede Erfahrung, die du je gemacht hast, samt der Emotion dazu. Wenn du als Kind für ein Gefühl bestraft oder beschämt wurdest, hat Unihipili eine Regel gelernt: Das ist gefährlich. Halt es fest.

Aumakua ist dein höheres Selbst. Die Weisheit, die über dem Alltag steht und Uhane und Unihipili verbindet, wenn beide sich vertrauen.

Ein Gefühl sitzt fast immer bei Unihipili. Dein waches Denken kann noch so oft sagen „Ich habe das verarbeitet“ – wenn der Körper die Energie nie freigeben durfte, bleibt sie da. Das ist gespeicherte Erfahrung, keine Einbildung.

Lomi ist Körperarbeit, keine Psychotherapie. Was in einer Behandlung an Gefühl auftauchen darf, begleite ich achtsam. Für tiefere oder bisher unbehandelte Themen oder Traumata empfehle ich zusätzlich psychotherapeutische Unterstützung.

 

Warum Reden allein oft nicht reicht

Du kannst jahrelang über eine Sache sprechen und trotzdem spürst du sie noch im Körper. Uhane und Unihipili sprechen unterschiedliche Sprachen. Uhane versteht Worte. Unihipili versteht Berührung, Atem, Bewegung, Präsenz.

Deshalb arbeite ich in der Lomi-Therapie direkt mit dem Körper. Ich zeige Unihipili: Du darfst jetzt loslassen. Es ist sicher.

Mauna Kea Sonnenuntergang auf Big Island Hawaii

So arbeite ich, wenn Gefühle hochkommen

Wenn ich beim Massieren wieder auf eine dieser festen Stellen treffe, versuche ich nicht, sie wegzudrücken. Ich berühre sie, dehne sie, gebe ihr mehr Raum. Wird es dabei intensiv, oder komme ich bei einer Dehnung an eine Grenze, lade ich zu einem tiefen Atemzug ein und dazu, beim Ausatmen loszulassen.

Eine Stelle beginnt dabei mitunter zu zittern. Ab und zu kommen auch Tränen der Erleichterung. Wie ich dabei berühre, welche Qualitäten und Techniken ich einsetze, beschreibe ich hier ausführlicher.

Ich frage nicht, woher es kommt. Diese Frage schickt Unihipili zurück ins Denken, zurück zu Uhane – genau dort, wo die Energie schon zu lange festsaß. Ich frage etwas anderes: Darf das jetzt da sein? Wie geht es dir gerade damit? Warum das so viel mehr bewirkt als jede Erklärung, habe ich in „Spüren statt Verstehen“ genauer beschrieben.

Ich frage außerdem, was der Körper braucht. Berührung, die ausstreicht. Ein Halten, ohne Bewegung. Oder auch: aus dem Kontakt gehen, einen Moment ganz für sich sein. Richtig gibt es dabei nicht – nur, was jetzt guttut.

Mir fehlen in solchen Momenten oft die Worte. Das ist in Ordnung. Ich muss nichts erklären oder einordnen können. Ich muss nur da sein und fragen. Das reicht dem Körper meistens aus.

Sonnenuntergang auf Hawaii am Meer -Lomi Lomi Massage Ausbildung Hawaii

Du darfst so sein, wie du bist

Für mich muss Uhane nicht verschwinden. Du musst nichts an dir loswerden. Es geht darum, dass Uhane, Unihipili und Aumakua – Denken, Körper, höheres Selbst – wieder miteinander sprechen. Dein Denken hört deinem Körper zu, statt ihn zu überstimmen.

Bei der Lomi darfst du so sein, wie du gerade bist. Mit deiner Wut, deiner Trauer, deiner Angst, deiner Freude. Auch damit, gerade nichts zu fühlen. Nichts davon muss weg, bevor du willkommen bist.

Aloha bedeutet auch das: mit Atem in Verbindung sein. Mit dir selbst. Mit allem, was da ist. Auch mit dem Nein, das lange gewartet hat.

 

Wenn dich diese Art von Lomi anspricht:

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